GT - Zündkerzenwechsel

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mitsublue
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GT - Zündkerzenwechsel

Beitrag von mitsublue » 31. Dez 2003 14:47

GT - Zündkerzenwechsel

Aus- bzw. Einbau der Zündkerzen kann aus verschiedenen Gründen notwendig sein

- Kerzenwechsel (z.B. wg. Abnutzung oder anderem Kerzentyp)

- Einstellen Elektrodenabstand (z.B. wg. Abbrand oder höherem Ladedruck)

- Kompressionsprüfung oder Diagnose mit Endoskop

- Wechsel der Zündkabel (Arbeitsgänge weitgehend gleich)

Der Wechsel der Kerzen ist nicht so leicht möglich wie bei den meisten Fahrzeugen, aber es ist auch von Hobbyschraubern machbar.
Eine Werkstätte wollte übrigens deswegen (kein Witz) sogar mal den ganzen Motor ausbauen.

Arbeitszeit
Ca. 1 bis 4 Stunden ( + -, je nach Erfahrung, Tempo, Glück usw.)

Werkzeuge
Übliche Gabel- und Ringschlüssel (10, 12 mm), kleinerer Nusskasten mit 16mm (5/8“)- Zündkerzennuss oder entspr. Zündkerzensteckschlüssel, Schraubendreher, Kombizange, evtl. größere Pinzette oder Spitzzange, evtl. Fühlerlehre,
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Hilfsmittel
Fusselfreie Lappen, Schoner für Kotflügel (z.B. Tuch), evtl. altes Bettuch, Karton o.ä., Universal-Gleitspray / Schmiermittel (z.B. Caramba, Multigliss), Ablage für Kleinteile.

Ersatzteile
Evtl. Dichtung zwischen Ansaugbrücke und Einlass, O-Ring zwischen Turbo und Druckleitung, Metalldichtung zwischen Ansaugbrücke und Abgasrückführung, ggf. 6 Zündkerzen

Arbeitsschritte
Achtung: Leitungen, Schläuche, Kabel usw. soweit verwechselbar vor Demontage kennzeichnen!

- Motor etwas abkühlen lassen

- Unter dem Motorraum altes Tuch oder großen Karton auslegen, Sammelfläche für evtl. herabfallende Kleinteile

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Bild 2

- Abdeckung der vorderen Kerzen (Bild 2, Pfeil grün) demontieren, 8 Schrauben SW10 bzw. mit einem passenden Kreuzschlitz-Schraubendreher. (Die Schraubenköpfe stehen nur wenig über. Wenn man mit einer Nuss drangeht hat man später evtl.einen Ring (im Plastik) um die Schraube).

- Zündkerzenstecker abziehen, Kerzen heraus drehen,

- Kerzenlöcher mit sauberem Tuch abdecken

- Kerzen begutachten (Diagnose)

- Y- Pipe (Bild 2, Pfeil rot) ausbauen, dazu
Schlauchschelle am Drosselklappengehäuse lockern, Y-Pipe samt Gummi abziehen
- Kleinen „Steuerschlauch f. Ladedruck“ am Bogen entspannen und abziehen,
- Schlauch (D ca. 30mm) unten zum BOV abnehmen
- 2 Druckschläuche vorne (von den Ladeluftkühlern kommend) von der Y-Pipe abnehmen, Öffnungen mit sauberem Tuch verschließen.

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Bild 3, Bereich über hinterem Turbo

- Gaszug (Bild 3, Pfeil hellgrün) aus federbelastetem Betätigungssegment aushängen. Gaszughalterung markieren, (z.B. mit Edding um die Schraube), abschrauben (2 x SW 10) und ablegen.

- Drosselklappengehäuse (Bild 3, + gelb) von Ansaugbrücke demontieren, dazu vier M8 Schrauben (SW12) und eine M8 Schraube für Halterung rausdrehen und abnehmen. Vorher noch 2 Schläuche abziehen, die verschiedenen kleinen Steuerschläuche am besten aufgesteckt lassen. Gehäuse, Schläuche usw. ablegen.

- Halterungen für Zündkabel und Einspritzdüsenkabel (Bild 1, Pfeil weiß) lösen (Schrauben SW10)

- Verbindungsleitung von hinterem Turbo zum rechten Ladeluftkühler (Bilder 2 und 3, Pfeil orange) demontieren, dazu zwei M8-Schrauben (SW 12) entfernen, und Leitung vorne lösen und abziehen. Öffnung am hinteren Turbo sofort mit sauberem Tuch verschließen. Falls da ein Kleinteil reinfallen sollte :oops: , kann man evtl. stundenlang arbeiten bis es wieder draußen wäre.

- Obere Befestigungen des Hitzeschilds (B.3, H rot) des hinteren Turbos lösen, eine Schraube hält auch zusätzlich zwei Massekabel, desgleichen eine Schraube für Halterung Ölleitung zum Turbo.

- Unterdruckschläuche für Kupplungsunterstützung und Unterdruckbremskraftverstärker lösen und abziehen

- Abgasrückführungsleitung (Bild 3, Pfeil lila) von Ansaugbrücke demontieren, dazu 2 Schrauben (SW12) ausdrehen. Fummelei! :( Nach Ausbau der ersten Schraube in das Loch ein Stück Draht o. ä. stecken (damit später Dichtung nicht runter fällt), 2. Schraube lösen, Dichtung mit Pinzette oder Spitzzange herausziehen. Diese Stelle macht übrigens beim Einbau mit die meisten Schwierigkeiten :( .

- Die 5 Schrauben und 2 Muttern (SW12) der Ansaugbrücke etwas lockern und dann herausdrehen.

- Ansaugbrücke (Bild 2, Pfeil blau) gefühlvoll anheben (evtl. vorher leichten Schlag mit Holzstück, Gummihammer o. ä.) und abnehmen. (Unter der Drosselklappe ist noch eine Art Druckdose versteckt. Diese hängt mit der Ansaugbrücke zusammen. Dort sind vor dem anheben noch zwei Schläuche zu entfernen).

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Bild 4, Ansaugbrücke abgenommen

- Ansaugöffnungen mit Tuch abdecken

- Hintere Zündkabelstecker abziehen, Kerzen heraus schrauben

- Kerzen begutachten (Diagnose) :?:

Jetzt können neue Kerzen eingesetzt werden oder vorher evtl. Prüf- oder Diagnosearbeiten durch geführt werden. Zündkerzenabstand (Originalkerzen) serienmäßig 1,1mm, bei höherem Ladedruck ca.0,85mm.
Bei evtl. Kompressionsprüfung vorher Tuchfetzen o. ä entfernen, damit diese nicht in den Motor gesaugt werden.

- Vor Einbau der Kerzen ein Tröpfchen Universalspray auf das Kerzengewinde träufeln, schadet bei den anderen Schrauben / Muttern auch nicht.

- Montage der Bauteile in umgekehrter Reihenfolge. Falls notwendig neue Dichtungen (s.o.) verwenden.

Bei Bauteilen mit mehreren Schrauben / Muttern erst alle Teile eindrehen, leicht anziehen und erst dann festziehen (Also nicht erst eine Schraube eindrehen und fest knallen und dann die anderen).

Für Perfektionisten bzw. Gefühllose können die M8–Schrauben/Muttern mit einem Drehmomentschlüssel angezogen werden. Anzugsmoment 18 Nm, Ausnahme sind die Schrauben für die Verbindungsleitung Turbo / LLK und die Muttern für Befestigung Drosselklappengehäuse, dort jeweils 12 Nm.

- Einstellung Gaszug überprüfen, Endstellungen Leerlauf / Vollgas müssen sauber erreicht werden.

- Alle Verbindungen usw. nochmals prüfen, auch keine Schläuche o.ä. vergessen

- Keine Werkzeuge o. ä. im Motorraum vergessen? Es sollte auch nichts an Teilen übrig bleiben.

- Probelauf bzw. Probefahrt, danach nochmals alles kontrollieren.

- Wenn alles paletti - GT genießen :D

Anmerkungen.
Man kann auch eine etwas andere Montagevariante verwenden, bei der das Drosselklappengehäuse an der Ansaugbrücke verbleibt. Die Brücke wird dabei „hochgeklappt“ und z.B. mit einem Holzstück abgestützt.
Ich habe beide Varianten probiert und meine die oben ausführlich beschriebene ist im Normalfall günstiger, v. a. wenn man z.B. noch die Kompression messen bzw. die Zündkabel wechseln möchte. Beides empfiehlt sich übrigens bei dieser Gelegenheit durchzuführen.

Die obige Anweisung wurde bereits von „Boldeman“ erfolgreich ausprobiert. Er hat dabei auch die Bilder 1, 3, 4 aufgenommen. Für beides vielen Dank!

mitsublue

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